Pressestimmen

Donau Kurier, 06.10.2004, Szene, Musik                                    CD reinhören

Ausgefeilte Kompositionen
von Ingolstadts Urgestein

Bevor die Stunde des beliebten „Open Flair im Klenzepark" schlug, gab es das legendäre „Ochsenschlacht Open Air". Die Band „Säure" hatte es in den Siebzigern inszeniert und damit eine lokale Musikszene ins Leben gerufen, wo vorher keine war. Die Band spielte Deutschrock, kümmerte sich um ihr Festival und verschwand dann in der Versenkung. Völlig überraschend tauchen nun die Musiker von damals, nämlich Bassist Horst Hettler, Schlagzeuger Walter Regensburger und die Gitarristen Franz Sixl und Albert Hufnagel wieder auf, mit neuer Band, neuem Sound und neuer CD.

„Zwischen Tag und Nacht" heißt das Album, das eigentlich nur durch die nach wie vor deutschen Texte der zwölf Kompositionen eine Querverbind-ung zulässt zu den alten Zeiten. Ansonsten enthält die knappe Stunde Musik kraftvollen Gitarrenrock, der zwar nicht unbedingt trendy ist, aber eben auch nicht nostalgisch angehaucht. Als Transportmittel für die ernsten und gehaltvollen Texte gibt's musikalisch zweierlei, nämlich einerseits kompakte, griffige Rocksongs wie „Dein Kopf ist leer", „Wahnsinn" oder auch das Ti­telstück, zum anderen komplexere Nummern wie „Der Kreis der Zeit" oder „Schwarze Schatten" mit rhythmischen und me­lodischen Wechseln, ja, einzelnen Bausteinen, die, obwohl fast suitenartig zusammengefügt, eine letztendlich aber doch immer

runde Gesamtnummer ergeben.

Die große Stärke der Songs liegt in der kompositorischen Feinarbeit, die hinter ihnen steckt. Ausgefeilte Arrange­ments ergeben einen dichten Sound mit passend eingefügten Fills, subtil gewählten Klangfar­ben und oft winzigen Details, die die Räume schließen, ohne dass die Transparenz des Sounds dar­unter litte. Kleine Anleihen beim Folk oder der Klassik, der stets passende Einsatz der Twin-Guitars, das saftige Riff neben gut harmonierenden und sich verwebenden Motiven, die akustische Konzertgitarre neben knalligem Vierertakt.

Es sind immer wieder diese kleinen Extras, die aufhorchen lassen. Und, ganz entscheidend für die Wirkung dieser Musik auf den Hörer: Jeder Song für sich hat auf Grund der Melodie­führung die Qualität, eine ganz eigene Stimmung zu erzeugen, etwa eine melancholisch-düstere beim Opener, hingegen eine mehr exotisch-fremdländische beim „Dämonentanz". „Zwi­schen Tag und Nacht" ist ein recht reifes Album, eingespielt von Musikern, die genau wissen was sie wollen, nämlich kein Wegwerfprodukt der Abteilung „Pop für einen Tag", sondern eines, das sich textlich ernsthaft mit sozialen, persön-lichen und gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzt und dies musikalisch auch ausdrückt. Hörbeispiele gibt's unter www.bahpro.com. Hier ist das Album für 13 Euro auch zu bestellen.     lei